Dienstag, 23. April 2013

Zeit der Rache


Sie trug einen Hauch von schwarzer Seide, genau so schwarz wie ihre Seele. Die zarte Frauengestalt schritt barfuß auf ihn zu und flüsterte leise seinen Namen. Sanft legte sie ihm eine Hand an die Wange und er fuhr erschrocken zurück. Eiskalt!
Der zarte Körper schmiegte sich an seine Brust, ihr Geruch stieg ihm in die Nase. Süßlich, betörend.

Er hörte ihr flüstern, doch er verstand es nicht. Sie hob den Kopf und blickte ihn an, fuhr mit dem Finger provozierend über seine Lippen, ihm stockte der Atem.
Er konnte ihre Augen jedoch nicht sehen, er sah nur ihr blondes Haar, ihre roten, geschwungenen Lippen.
Plötzlich wurde ihm kalt ums Herz, er begriff.
Er wollte panisch davonlaufen. Das konnte nicht sein.
Nein, dachte er geschockt. Sie ist tot! Er wollte sich von ihr losreißen. Das konnte doch alles nur ein lächerlicher Albtraum sein. Ihr Finger ruhte immer noch auf seinem Mund und sie nickte, als er verstand.

"Kira", hauchte er verstört.

Ein Lächeln trat auf ihre blutroten Lippen und sie machte einen Schritt zurück. Kira war schöner als je zuvor. Er sah, wie Ihre Lippen sich bewegten, Worte formten, doch er verstand nicht. Er griff nach Ihr doch sie wich ihm geschickt aus.
"Ist das ein Traum?" Fragte er sie, doch sie schüttelte nur den Kopf. Kira faltete die Hände zusammen und deutete nach oben, er folgte ihrer Geste und sah erschrocken seine kleine Tochter schlafend und wohlbehütet in ihrem Bett.

Er blickte Sie schockiert an "Bin ich tot?" Ihr hübsches Gesicht verzog sich zu einer hasserfüllten Maske und der unverhüllte Zorn, der ihm entgegenschlug, zerdückte seine Brust. Leichtfüßig schritt Kira auf ihn zu und legte ihm ihre Hand über die Augen.
Ein verzerrtes Bild tauchte vor seinen Augen auf. Er sah Kira im Krankenhausbett angeschlossen an diverse Maschinen und Monitore. Sie war gefangen in ihrem kranken Körper, der Kampf zurück ins Leben war aussichtslos, sie würde nie zurückfinden.
Er hatte beschlossen die Geräte abzuschalten.
Als sie ihre Hand wieder wegnahm, verschwand das Bild und er blinzelte.

"Du gibst mir die Schuld an deinem Tod", fragte er hysterisch und war drauf und dran seinen Verstand zu verlieren. "Hast du nur eine Sekunde an mich gedacht und an das, was ich will? Flüsterte sie wie aus dem nichts. "Die Monitore abschalten ... Du hast mich umgebracht ... Und ich hab lange gewartet, um dich hier her zuholen" schrie sie, und ihre Stimme war von Hass und Zorn belegt.

"Ich habe lange gebraucht, um darüber hinweg zukommen ... jetzt habe ich eine Familie" Sie zuckte nur mit den Schultern und sah ihn voller Verachtung an. "Mit mir hättest du auch eine Familie haben können", ihre Stimme nahm einen drohenden Klang an. "Doch du hast mich ja umgebracht".
"Ich habe keine Schuld", beteuerte er, doch vergebens.
"Wäre es dir lieber, ich hätte deine Tochter hierher geholt?" Kicherte sie und deutete mit der Hand in eine unendliche Dimension. "Ich will hier weg, lass mich zurück ... Ich will nicht sterben", brüllte er und wollte sie packen, doch er griff ins Leere. Er hörte, wie sie kalt auflachte und flüsterte: "Ich wollte auch nicht sterben", das anfängliche Flüstern stieg zu einem bestialischem Geschrei an bis es plötzlich verstummte und sie vor ihm wieder Gestalt annahm, sie legte ihre Hände auf die Brust und hauchte kaum hörbar: "Jetzt ist die Zeit der Rache."

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