Dienstag, 23. April 2013

Der graue Schleier


Die Welt ist eingehüllt in einen grauen Schleier, dichter Nebel umhüllt die Gestalten, die zur später Stunde noch auf den Straße umherwanderten. Liana spürte die Kälte, sie streichelte sie sanft, küsste sie unnachgiebig und kroch in ihr Innerstes, vergriff sich an ihr Herz und zwang sie in die Knie, "Oh nein" sie keuchte, hustete doch es brachte nichts. Ihre Zeit war abgelaufen. Ihr Zimmer schien unendlich, dunkel und kalt. Liana schrie vor Wut, doch er lies sie verstummen, stahl ihr jegliches Gefühl. Er kniete sich vor sie und nahm ihr Gesicht in seine Hände. "Ssschht" machte er. Sie verharrte regungslos, wagte nicht sich zu bewegen.
Ihr Körper zitterte.

"Es ist Zeit zu gehen", flüsterte er, sie spürte seinen Atem auf ihrer Haut und schauderte. "Ich werde nicht gehen" entgegnete sie entschieden und schnappte schockiert nach Luft, als er sie mühelos aufs Bett warf und sich lächelnd ihr gegenüber auf einen Stuhl niederließ, seine Sense neben sich lehnte und seinen schwarzen Mantel aufklaffte.

Sie strich sich ihre wirren Haare aus dem Gesicht und lies ihn nicht aus den Augen, er fixierte sie ebenso. Die Kälte war aus ihren Knochen verschwunden ebenso die Schmerzen doch sie wappnete sich, da sie jeden Moment wieder zuschlagen konnten. Unsicher setzte sie sich auf. "Du wirst mir wehtun, nicht wahr?",wisperte sie mit gebrochener Stimme, er nahm seine Sense in die Hand und liebkoste sanft den harten Stahl. Liana schluckte, ihre Kehle war wie zugeschnürt, er nahm ihr die Luft zum Atmen. Sie versuchte entsetzt Luft zu bekommen, sie griff sich an die Kehle, röchelte und schnappte plötzlich wieder gierig nach Luft. Zornig sah sie ihn an.

"Ja, es wird wehtun, der Tod tut immer weh, ob dir oder jemand anderen",antwortete er bitter und steckte seine Sense weg. "Wird es dort, wo du mich hinbringst, schmerzen geben?" Er stand auf und ging zum Fenster. "Wo gibt es keine Schmerzen, Liana?" Sie schluckte und stand ebenfalls auf und trat ihm erschöpft gegenüber, sie stützte sich an der Fensterbank ab und starrte ihn an. "Ich will, dass du mir in die Augen dabei siehst. Er schüttelte den Kopf. "Verlange das nicht." Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Doch denn du bist der Tod" spie sie ihm wütend ins Gesicht.

Er schüttelte lächelnd den Kopf, "ich bin nicht nur der Tod, Liana. Ich bin die leere hinter allen gesagten Worten, treiben im Wind des Nirvana. Ich bin nicht böse, ich bin nicht gut. Ich bin das, was jenseits dieser Dinge liegt. Ich bin die Sehnsucht, die dich grundlos ereilt. Ich bin die Kraft zwischen den Magneten. Ich bin die Sinnlosigkeit, aber ich bin das Einzige, was am Ende übrig bleiben wird." Um seine Worte zu bestärken, fuhr ein stechender Schmerz durch ihren Leib, bitterlich schrie sie auf und haute mit der Faust gegen seine Brust. " Du kannst mich nicht freiwillig mitnehmen" fuhr sie ihn durch zusammengebissenen Zähnen an.
"Du wirst freiwillig zu mir kommen", er packte seine Sense, und ehe sie sich versah, war er verschwunden. "Nein, nein, nein", flüsterte sie hysterisch und rannte zum Schrank, sie warf sich eine Jacke über, riss die Tür auf und stürmte aus dem Haus. Er würde ihr Leben nicht bekommen! Unsicher warf sie einen Blick über die Schulter, wechselte mehrmals die Straßenseite und doch spürte sie ihn immernoch, neben Ihr, hinter Ihr - überall.

Sie lief in den Park, krümmte sich vor Schmerzen und sackte schreien zusammen. "Verschwinde", brüllte Sie panisch, sie sah ihn langsam auf sich zukommen, sie rollte sich auf den Bauch und versuchte davon zukrabbeln doch vergebens, sie spürte, wie er sie festhielt. Ihr Atem ging flach, sie spürte seine Umarmung immer enger um sich, er lullte sie ein, blanke Panik machte sich in ihr breit, ihr offener Mund war weit aufgerissen, ihre Stimmenbänder durch gift verätzt. Die Kälte umarmte sie, hieß sie willkommen. Plötzlich machte sich Ruhe in ihr breit und sie wusste - es war vorbei.

Sie spürte den Stahl der Sense im Nacken und schloss langsam die Augen.

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